| Januar 2002 | Satan und Egozentrik | |||
| Flappys
Kolumnen: Dezember 2001 Januar 2002 Februar 2002
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"Das Böse ist
immer und überall" Hallo, endlich ist ds Urteil gesprochen: Daniel und Manuela R., die "Satansmörder" von Witten müssen für 15 resp. 13 Jahre hinter Gitter, und vorher in die Psychiatrie. Den ganzen Januar über hat der Prozeß angedauert, jeden Tag kam eine bestimmte Zeitung aus Hamburg (die mit den großen Überschriften, von der es heißt, sie "bellt bald blöd, bald blind") mit immer neuen Schlagzeilen heraus, die sich alle wahrhaftig überschlugen in moralischer Empörung. Am meisten hat sich diese Zeitung aber über die Selbstdarstellung der beiden aufgeregt: das Styling, das umgedrehte Kreuz, das sich Manuela R. hatte scheren lassen, das Verhalten vor Gericht. Andererseits aber frage ich mich, was schlimmer ist: ein Mörderpärchen, das ein Gericht zur Selbstdarstellung benutzt - oder Massenmedien, die diese Selbstdarstellung auch noch weltweit verbreiten. Und was die Tat selbst betrifft, so ist nur noch eins zu bemerken: ich finde es erbärmlich, so etwas zu begehen, und dann die Verantwortung auf irgendein "höheres Wesen" abzuschieben. Man sollte zu seinen Taten stehen. Wenn ich an Herrchens Tapete nage, gehe ich ja auch nicht hin und behaupte, "Satan" habe es mir befohlen. Entsprechend hat der Richter ja auch festgestellt, daß der Satan nur vorgeschoben war. Noch ärgerlicher ist aber, was teilweise im Gefolge dieses Mordes aufkam. Denn natürlich lenkte diese Tat die Aufmerksamkeit auf das Thema Satanismus. In diesem Zusammenhang verfaßte eine gewisse M. Mohr von AP einen Artikel, der auch im Darmstädter Echo erschien. Darin versuchte sie, die Ursprünge des Satanismus zu ergründen. Unter anderem fiel dabei der folgende Satz: "Die Ursprünge des Satanismus reichen von der altägyptischen Mythologie über Kelten, Wicca-Kulte, westafrikanische Voodoo-Praktiken bis hin zurm dualistischen Weltbild der antiken und mittelalterlichen Gnostik". Aua! Da sträuben sich mir sämtliche Federn! Um es für Unwissende richtigzustellen: Satan ist zu 100% eine Erfindung des Christentums. Das Christentum ist als Religion erst im 1. Jahrhundert nach Christus entstanden. Zu jenem Zeitpunkt hatte Ägypten bereits ein paar Jahrtausende Geschichte hinter sich, und die Kelten immerhin ein paar Jahrhunderte. Also können Ägypter und Kelten wohl kaum für den christlichen Satan verantwortlich gemacht werden. Was Wicca betrifft, so verehrt Wicca zwei Hauptgottheiten: die Göttin und den Gehörnten Gott. Beides sind Naturgottheiten. Auf den ersten Blick könnte man zwar den Gehörnten Gott mit Satan verwechseln, aber beide haben nichts miteinander zu tun. Der Gehörnte Gott ist sozusagen die Summe aller heidnischen Götter, Satan dagegen entstammt einer Offenbarungsreligion (nämlich dem Christentum). Die allermeisten Wicca haben daher mit Satan nichts am Hut. Wer nähere Infos über Wicca will, dem sei wiccanet.de empfohlen. Was Voodoo und Gnostik betrifft, so kenne ich mich nicht genug aus, um dazu Aussagen machen zu können. Fazit: die Aussage oben ist so daneben, daß Herrchens Verein, der Rabenclan, einen Leserbrief an das Darmstädter Echo geschrieben hat, in dem das Ganze richtiggestellt wurde. Leider hat das Echo den Abdruck abgelehnt: "zu lang". Aber wenigstens hat ein anderes Vereinsmitglied, Ursus, einen Leserbrief geschrieben, und der wurde abgedruckt. Ciao, Euer Flappy
Links zum Thema: Erste Allgemeine Verunsicherung
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