Oktober 2001 Samhain oder Alles nur geklaut
Flappys Kolumnen:

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Hallo,

in ein paar Tagen steht ein ganz besonderes Ereignis auf der Tagesordnung: Samhain, oder Halloween, wie die Angelsachsen zu sagen pflegen.

Halloween ist die Nacht zum 1. November. Nach alter keltischer Vorstellung sind in dieser Nacht die Tore zwischen den Welten offen. Und daher sollte man an diesem Tag der Toten gedenken und sich von denen verabschieden, die im vergangenen Jahr von einem gegangen sind. Herrchen hat sich zum Beispiel vorgenommen, sich von meinem Kameraden Baldur zu verabschieden, der im Februar nach kurzer Krankheit leider gestorben ist. 

Gleichzeitig markiert Samhain den Anfang des heidnischen Jahres. Sprich: Herrchen wird bald einen Kalender bekommen, worüber er sich schon sehr freut.

Sicher wird der eine oder andere unter euch Lesern jetzt sagen: ja so ein Zufall! Halloween fällt ja fast genau auf Allerheiligen (das am 1. November gefeiert wird).

Das ist aber kein Zufall. Das ursprünglich heidnische Fest Halloween wurde mit voller Absicht von der Kirche übernommen und zu Allerheiligen umgedeutet.

(Ein Zufall dagegen ist es, daß der Reformationstag (31. Oktober) direkt vor Halloween liegt. Der geht zurück auf den legendären Thesenanschlag des Herrn Martin Luther an der Schloßkirche zu Wittenberg, der eben am 31. Oktober 1517 stattgefunden haben soll. Was, nebenbei bemerkt, eine Legende ist. Aber trotzdem: der Reformationstag hat mit Samhain nichts zu tun). 

Es gibt auch noch andere Tage, die von der Kirche so "rein zufällig" auf bestimmte Datümer gelegt wurden. So ist etwa der erste Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember. Im Rom war dies der Feiertag "Sol Invictus" des Mithraskultes, eines persischen Sonnenkultes, der im Römischen Reich sehr verbreitet war, bevor Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion machte. Abgesehen davon liegt der 25. Dezember "zufällig" in der Nähe der Wintersonnenwende, des Yul oder Jul. Nicht umsonst heißt das Weihnachtsfest in Schweden heute noch "Jul".

Bei den Heiligen Drei Königen geht es gerade so weiter. Denn diese liegen "zufällig" 12 Tage nach Weihnachten, obwohl dazu nix in der Bibel steht. Die 12 Tage nach Jul waren ursprünglich die zwölf "Rauhnächte", in denen der Legenden nach die "Wilde Jagd" (Wotan und Gefolge) übers Land zog. In dieser Zeit schloß man keine Verträge ab, und hielt sich möglichst nach Einbruch der Dunkelheit nicht im Freien auf. 

Die Sommersonnenwende - Litha - wurde von der Kirche ebenfalls besetzt - mit Fronleichnam, der oftmals in die Nähe fällt.

Doch auch die Tagundnachtgleichen (weitere wichtige Eckpfeiler im heidnischen Jahreskreis) wurden von der Kirche dezent mit Beschlag belegt. So wurde aus dem Frühlingsfest "Ostara", ein wenig verschoben, das christliche "Ostern". Die Symbolik (Hase und Ei) wurde ungehindert aus dem heidnischen übernommen; oder kann mir einer sagen, wo in der Bibel beim Tod Jesu ein Hase und ein Ei vorkommen?

Und das Erntedankfest liegt natürlich "zufällig" nahe an Mabon, der Herbsttagundnachtgleiche.

Der frechste Diebstahl aber betrifft den 1. Februar. Hier gedachte die katholische Kirche der "Heiligen Brigid". Über diese Heilige sind nur wenige Fakten bekannt. Kein Wunder - schließlich hat sie niemals gelebt. Brigid ist nämlich eine alte keltische (genauer: irische) Frühlingsgöttin, die man einfach im Mittelalter zur Heiligen "ernannte". Vor einigen Jahrzehnten wurde Brigid übrigens still und heimlich vom Vatikan aus der Liste der Heiligen gestrichen.

Es gibt übrigens ein Fest, das die Kirche niemals übernommen hat; ja sie hat nicht einmal versucht, es zu assimilieren. Das ist Beltane. Dieses Fest war den Kirchenvätern wohl viel zu sinnenfroh, so daß sie gaanz schnell die Schwänze eingezogen haben. Denn das konnten sie einfach nicht in ihre Verklemmtheits-Religion einbauen. 

Mit anderen Worten: was christliche Feste betrifft, so gilt für fast alle ein Song der Prinzen: Alles nur geklaut!

Ciao,

Euer Flappy

 

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