| Juli 2001 | Fahrräder, Foren und Wettbewerb | |||
| Flappys
Kolumnen: Juni 2001 Juli 2001 August 2001
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Herrchen hat die Angewohnheit, im Fernsehen regelmäßig Sendungen anzuschauen, die einem zeigen, was in der Welt so passiert. In diesen Sendungen sieht man immer alles mögliche. Meistens sind es irgendwelche Menschen in Anzügen, die sich irgendwo treffen und wichtige Dinge besprechen (man nennt sie, glaube ich, Politiker). Oft kommt bei diesen Besprechungen aber nicht viel raus. In letzter Zeit aber gab es immer ein besonderes Schauspiel zu sehen, und zwar ganz ohne Politiker. Dieses Schauspiel gibt es in einem Land namens Frankreich (und drumherum). Es besteht aus vielen Menschen, die alle auf zweirädrigen Fahrzeugen (sog. "Fahrräder") sitzen und fahren. Dabei fahren sie in den letzten Tagen sogar auf steile Berge hoch und sind immer ganz außer Puste, wenn sie oben ankommen. Ich habe mich gefragt, warum die sich denn so anstrengen. Schließlich gibt es auch andere Fahrzeuge, sog. "Motorräder", die haben auch zwei Räder, aber Motoren. Mit denen käme man viel bequemer auf Berge hoch. Aber Herrchen sagte mir, daß das so sein muß. Nun ist es so, daß es bei diesem Auf-die-Berge-Fahren immer einen Start und ein Ziel gibt. Und der Mensch, der zuerst das Ziel erreicht, der darf sich als Belohnung umziehen. Er kriegt dann eine Art Weste, die ganz gelb ist, damit er besser auffällt. Und dann küssen ihn ein paar hübsche Frauen. Und er bekommt auch noch Geld dafür. Herrchen meinte, das sei eben ein Wettbewerb. Und eigentlich gehe es darum, möglichst berühmt zu werden, und natürlich auch um das Geld. Und damit der Wettbewerb fair bleibt, dürfen die auch keine Motorräder benutzen. Gut, das habe ich verstanden. Das ganze ist also eine Art Wettbewerb. Daher auch das Geld, die hübschen Frauen und die gelbe Weste. Denn sonst würde es ja keiner machen. Mir ist aufgefallen, daß es das Prinzip vom Wettbewerb an vielen Stellen der Welt gibt. Etwa zwischen Firmen, die stellen alle dasselbe her und wollen es möglichst billig verkaufen. Aber davon verstehe ich nichts. Das Prinzip Wettbewerb ist aber nicht überall sinnvoll. Nehmen wir etwa als Beispiel ein Diskussionsforum im Internet, und zwar das des Rabenclan. Da tauschen sich Vereinsmitglieder und Nichtmitglieder frei über alles aus, was mit Naturreligion und Magie zu tun hat. Und das macht allen Beteiligten Spaß. Ein Wettbewerb ist das aber nicht, und es gibt weder gelbe Westen noch Geld noch Küsse von schönen Frauen zu gewinnen. Nun aber gibt es dort neuerdings einen Mitschreiber, den X. [wahrer Name ist der Redaktion bekannt], der sieht das offenbar anders. Der glaubt, er müsse eine Diskussion unbedingt gewinnen. Daher sieht er alle anderen als "Gegner" an, obwohl die das gar nicht sind und auch nicht sein wollen. Oft diskutiert er daher nicht um des Themas willen, sondern um der Diskussion selbst willen. Und damit macht er es sich - und anderen - unnötig schwer. Lieber X, geh doch einfach nach Frankreich und radel mit auf die Berge. Das ist zwar anstrengender als Postings schreiben. Aber dafür hast du dort richtige Gegner, und zwar solche, die auch Gegner sein wollen. Und du kannst sogar was gewinnen! Spätestens wenn du die gelbe Weste hast, dann fallen dir viele schöne Frauen um den Hals. Und dazu gibt es noch viel, viel Geld! Im Rabenclan-Forum dagegen gewinnst du mit deinem "Kampf" nicht mal einen Blumentopf. Euer Flappy
Nachtrag 08/2001: Nachdem "X" einen Lernprozeß durchgemacht hat, wurde sein Name hier entfernt.
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