| April 2001 | Die Liste und ihr Nutzen | |||
| Flappys
Kolumnen: April 2001 Mai 2001
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Diese Kolumne
widme ich Homo Magi, der mich auf die Idee gebracht hat, eine zu
schreiben. Danke für die Inspiration!
Beginnen möchte ich mit einem aktuellen Thema: der Liste. Dazu muß ich ein wenig ausholen: Ich bin geboren 1994. Als ich etwa sechs Wochen war, hat Herrchen mich gekauft. Mein Käfig, den ich erst mit Nina, und dann mit meiner heutigen Frau Cilly zusammen bewohnt habe, stand damals in Herrchens Wohnzimmer in seiner Wohnung in Bietigheim. Aber Herrchen war abends oft im Schlafzimmer. Da die Tür meist offen war, konnte ich oft komische Geräusche hören. Nein, nicht das, was du jetzt denkst :-) Die meisten Geräusche waren Schüsse, ratternde MG-Salven und unmenschliche Schreie. Ich wunderte mich schon, wo Herrchen die Waffen her hatte, denn ich hatte ihn nie etwas wie eine Waffe ins Schlafzimmer tragen sehen. Und wer schrie da? Nach Herrchen klang das nicht! Kam da irgendwas furchtbares zum Schlafzimmerfenster rein, und Herrchen hat es abgewehrt? Als wir dann nach Ludwigshafen zogen, stellte Herrchen seinen Computer ins Wohnzimmer. Und dann bekam ich es auch zu sehen: Herrchen spielte ein Computerspiel. In dem Spiel lief man die ganze Zeit durch endlose Gänge und Labyrinthe und sammelte Zeug auf. Ab und zu lief einem dann ein Monster entgegen, das mußte Herrchen totschießen, weil die Monster nie mit sich reden ließen und man sonst selber totgemacht wird. Mein Geschmack war das Spiel ja nicht, aber Herrchen spielte es sehr gerne und lange, und spielt es heute noch. Sicher wartet ihr jetzt darauf, daß ich den Namen des Spiel sage. Aber das darf ich nicht. Herrchen hat es verhindert. Denn irgendwo in Bonn gibt es da so eine komische Behörde namens Bundesprüfstelle, die hat das Spiel angeschaut und befunden, daß es bei Jugendlichen ganz schlimme Auswirkungen haben kann. Und da diese Behörde nicht will, daß die Jugendlichen durch das schlimme Spiel verdorben werden, hat sie es auf eine Liste gesetzt, auf die "Liste der jugendgefährdenden Schriften" (obwohl es keine Schrift ist, sondern ein Computerspiel. Aber die Bundesprüfstelle ist da nicht immer ganz logisch). Und weil das Spiel auf einer Liste steht, darf man keine Reklame dafür machen, und man darf es nur unter dem Ladentisch verkaufen. Schlimmer noch: es kann sogar gefährlich sein, den Namen des Spiels in einer Kolumne zu erwähnen. Denn das könnte man ja als Reklame auffassen, und dann könnte die Bundesprüfstelle daherkommen und meine Kolumne auch auf die Liste setzen. Denn ein Jugendlicher könnte ja hier im Internet die Kolumne lesen, den Namen des Spiels finden, dadurch neugierig werden, sich das Spiel besorgen und Schaden an seiner zarten Psyche nehmen. Und da ich nicht will, daß meine nette Kolumne zusammen mit bösen Horrorvideos, noch böseren "sexualethisch desorientierenden" Pornos und dem ganz bösen Spiel auf einer gemeinsamen Liste auftaucht, lasse ich das lieber. Aber wenn ich mir das so überlege: Herrchen spielt jetzt, seit ich ihn kenne, immer wieder mal dieses böse Spiel. Genauer gesagt: er hat es einmal ausgewechselt. Anfangs fing der Name mit einem D an, jetzt mit einem Q (das darf ich sagen, da kann die Behörde noch nix machen, sagt Herrchen). Wenn nun die Logik der Behörde stimmt: müßte Herrchen dann nicht ein ganz böser Mensch geworden sein? Ein waffenbesessener Killer, der nachts im Tarnanzug, mit der MG in der Hand, durch die Stadt schleicht und alles abknallt, was sich bewegt? Das komische ist nur: das stimmt nicht! Glaubt mir: ich kenne mein Herrchen. Ich erlebe ihn jeden Tag, wie er wirklich ist. Und auf mich macht er eigentlich keinen bösen Eindruck. Er hat niemand erschossen, ja, soviel ich weiß, besitzt Herrchen noch nicht mal eine Schußwaffe. Herrchen kann ja nicht einmal die Spinnen an der Decke umbringen. Vermutlich ist Herrchen gegen das Spiel immun, und ich habe Glück gehabt. Außerdem mache ich mir jetzt ganz große Sorgen, wenn Herrchen mal beruflich nach Österreich oder in die Schweiz muß. Denn kürzlich habe ich erfahren, daß es dort keine Bundesprüfstelle gibt. Da kann jeder Jugendliche das böse, böse Spiel einfach so im Laden kaufen. Und das schon seit Jahren! Müßten da nicht alle Schweizer und Österreicher schon zu schießwütigen Killern geworden sein? Armes Herrchen! Euer Flappy |